Charlotte Roche: Schoßgebete: Roman
Autor:Charlotte Roche
ISBN 349205420X, Verlag: Piper, 288 Seiten
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Am liebsten tagsüber und Fenster zu wegen der Nachbarn. So mag es Elizabeth. Ihr Mann macht die Heizdecken auf dem Bett an, dann kann’s losgehen. Sie fährt sofort mit der Hand rein in Georgs XXL-Yogahose. Und ab hier betrügt sie ihre Männer hassende Mutter, die ihr beibringen wollte, dass Sex etwas Schlechtes sei. Hat aber nicht geklappt, Glück für Elizabeth, Glück für Georg. Aber Sex ist ja nicht alles, es gibt auch noch das Essenkochen für ihre Tochter Liza, und es gibt den Exmann, Lizas Vater. Keine geringe Rolle spielen auch ihre Ängste und ihre schrecklichen Eltern. Wobei diese Themen für Elizabeth seit dem Unfall immer zusammengehören. – »Schoßgebete« erzählt von Ehe und Familie wie kein Roman zuvor. Radikal offen, selbstbewusst und voller grimmigem Humor ist es die Geschichte einer so unerschrockenen wie verletzlichen jungen Frau.
Rezensionen
E. Oberbaum (Amazon.de Kundenrezensionen)
Ich habe das erste Buch von Charlotte Roche nicht gelesen und hätte auch zu diesem nicht gegriffen, wenn es mir nicht geschenkt worden wäre. Natürlich hatte ich vorher über die Autorin etliches gehört und in den Feuilletons gelesen. Jetzt hat mich der Text aber doch überrascht. "Schoßgebete" ist in einer schlichten aber angemessenen Sprache geschrieben, die sich schnell wegliest - jedenfalls wenn man einmal die Beischlafszene am Anfang (Gähn, Fremdschäm) überstanden hat. Das Psychogramm der Hauptfigur Elizabeth ist differenziert, interessant und sehr nachvollziehbar beschrieben. Ich hatte weder Probleme damit noch Widerstände dagegen, mich in ihre Welt zu versetzen. Und auch die Sitzungen bei der Analytikerin als Aufbauprinzip und Vehikel zur Rückerinnerung haben ihren Zweck erfüllt. Dass das furchbare Ereignis des Verkehrsunfalls die Protagonistin nachhaltig traumatisiert hat, wird anschaulich, interessant und auch amüsant gezeigt. Es ist ebenso lehrreich wie unterhaltsam, diese Passagen zu lesen, das hätte ich nicht erwartet!
Für diesen Teil des Buches hätte Frau Roche von mir locker fünf Sterne bekommen.
Leider hat das Ganze aber noch drei Pferdefüße.
Erstens: Die These des Romans ist ja, dass die geschilderte Zwangsneurotikerin sich nur beim Sex völlig frei fühlen kann. Hier lässt sie los, hier lässt sie die Sau raus. Behauptet Charlotte Roche. Da die Autorin uns ausführlich an diversen Intimitäten teilhaben lässt, ist es nicht schwer, den Wahrhheitsgehalt ihrer Behauptung zu überprüfen. Und was entdecken wir da? Loslassen sieht anders aus. Die Frau ist ein Kontrollfreak und das ändert sich auch im Bett nicht. Die Livestream-Protokolle, die uns der Roman liefert, sind der allerbeste Beweis dafür. Ekstase wird hier zwar vollmundig behauptet, aber nicht gelebt. Das Buch fängt sich in seiner eigenen Falle, die Ich-Erzählerin kontrolliert erzählend auch ihre Gedanken, Taten und Wünsche beim Sex.
Nur für die Werbetrommel war die (psychologisch ohnehin wacklige) Behauptung gut. Pardon, sehr gut.
Und der zweite Pferdefuß? Elisabeth empört sich über die Presse, vor allem die Bild Zeitung, die eine Hetzjagd auf die Leidtragenden nach dem Unfall veranstaltet hat. (Für alle, die es noch nicht wissen: Auf der Anreise zur Hochzeit der Protagonistin werden ihre drei Brüder bei einem Autounfall getötet. Dies ist auch Charlotte Roche widerfahren.) Die Autorin hat mit Hinweis auf den autobiografischen Gehalt des Romans jedes Gespräch mit Springer-Medien verweigert. Aber selbst möchte sie ganz gern Profit aus dem Familien-Drama ziehen.
Der Leser merk's und ist verstimmt.
Dritter Pferdefuß: So differenziert die Protagonistin auch gezeichnet ist, so eindimensional sind alle anderen Figuren ausgefallen. Das beste Beispiel dafür ist dieser angeblich so tolle Ehemann, der mit Attributen aus allen Klischeefallen ausgestattet ist, die sich denken lassen, dabei aber so überladen wurde, dass weniger als eine Karikatur heraugekommen ist. Der Typ ist alt, hässlich, reich, unglaublich verständnisvoll, sexgeil, wahnsinnig potent und darüber hinaus ein begnadeter Hausmann.
Danke Frau Roche, drei minus, setzen.
Lorenz Helfferich (Amazon.de Kundenrezensionen)
Es ist spannend zu beobachtend wie viel reflexhafte Ablehnung dieser Roman erfährt. Er sei ekelhaft, eine Schande für die Literatur, etc.. Ich frage mich, ist die subjektive Empfindung, dies und jenes sollte nicht geschildert werden, weil dies dem guten Geschmack zuwider laufe, etc. ein geeigneter Maßstab um Literatur zu bewerten? Ich glaube eigentlich nicht und deswegen kann ich einen großen Teil der negativen Rezensionen nicht wirklich ernst nehmen. Viele Rezensenten sprechen die Hoffnung aus, dass dieser Roman nur von den Medien "gehypt" wurde und schon bald keine Rolle mehr spielt, möglichst schnell vergessen sein sollte. Aber so unbedeutend ist diese Prosa wohl leider doch nicht. Es werden Bereiche angesprochen, die für unsere Zeit eine allgemeingültige Bedeutung haben: die komplexe Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft und noch genereller, die Versehrtheit des Menschen in einer Welt, in der Religion keine Ausflucht mehr ist für Ungerechtigkeiten und existentielle Angst. Rein handwerklich betrachtet sind vielleicht einige Bedenken gegen den Roman gerechtfertigt. Frau Roche sagt jedoch sehr geschickt, sie sieht sich auch gar nicht als Schriftstellerin. Als Dokument unserer Zeit hat der Roman ohne Zweifel seinen Reiz.
Käuferin 30 (Amazon.de Kundenrezensionen)
Ein super witziges und trauriges Buch - passend für alle Patchworkerinnen Mitte 30, die auch
schon plötzliche Todesfälle in ihrem Leben verkraften müssen.
Habe Tränen vor Freude gelacht, aber auch ganz große Trauer verspürt..
In zwei Tagen hatte ich das Buch durch, da es einen doch so fesselt..